Führung, Sport und digitale Transformation: Marisa Reich über ihre neue Rolle am KBZ Zug | KBZ-Zug

Führung, Sport und digitale Transformation: Marisa Reich über ihre neue Rolle am KBZ Zug

Als neue Bereichsleiterin «Management und digitale Transformation» bringt Marisa Reich Erfahrung aus Führung, Coaching und Spitzensport mit. Im Interview spricht sie über gute Führung, KI und die Zukunft der Arbeitswelt.
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Marisa Reich ist neue Bereichsleiterin «Management und digitale Transformation» am KBZ Zug. Sie verbindet langjährige Erfahrung aus Führung, Coaching, Spitzensport und Sportbusiness mit einer grossen Leidenschaft für Entwicklung und Weiterbildung. In ihrer neuen Rolle möchte sie Lernangebote gestalten, die fachlich fundiert sind und gleichzeitig einen direkten Bezug zur Praxis haben.

Was begeistert dich an deiner neuen Rolle als Bereichsleiterin «Management und digitale Transformation»?

Mich begeistert besonders die Verbindung von Praxis, Entwicklung und Wirkung. Management und digitale Transformation sind für mich nicht nur Schlagworte: Sie entscheiden im Alltag darüber, wie gut Organisationen zusammenarbeiten, wie klar Verantwortlichkeiten sind, wie Mitarbeitende Veränderungen erleben und mitgehen und wie zukunftsfähig ein Unternehmen bleibt.

Am KBZ Zug möchte ich gemeinsam mit Dozierenden und Praxispartnern Lernangebote gestalten, die fachlich fundiert und unmittelbar in der Praxis anwendbar und übertragbar sind. Gerade in der Schweizer KMU-Landschaft braucht es Weiterbildungen, die unternehmerische Realität verstehen: begrenzte Ressourcen, hohe Verantwortung, kurze Entscheidungswege und gleichzeitig den Anspruch, Qualität, Verlässlichkeit und Mitarbeitendenentwicklung zu verbinden.

Ich sehe meine Rolle deshalb nicht nur darin, Wissen zu vermitteln. Ich möchte Räume schaffen, in denen Führungskräfte, Fachpersonen und Nachwuchskader ihre konkreten Fragen bearbeiten, neue Perspektiven gewinnen und den Transfer in ihren Berufsalltag wirksam gestalten können.

Du bist stark im Sport verwurzelt und hast auch im Leistungssport Erfahrungen gesammelt. Gibt es etwas, das du dort gelernt hast und das dich bis heute begleitet?

Der Spitzensport hat mir sehr deutlich gezeigt: Leistung entsteht selten durch einzelne Heldinnen oder Helden. Sie entsteht dort, wo Menschen ein gemeinsames Ziel verstehen, Expertise in einem Fachgebiet haben, ihre Rolle kennen, Vertrauen erleben und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Dabei sind Klarheit, konsequentes Feedback, Lernbereitschaft und eine gute Fehlerkultur zentral. Im Sport wird oft unmittelbar sichtbar, was passiert, wenn Kommunikation nicht funktioniert, Erwartungen unklar bleiben oder Belastung dauerhaft höher ist als die verfügbaren Ressourcen. Das gilt genauso für Teams und Führungskräfte in Unternehmen.

Was ich aus dem Spitzensport besonders mitnehme, ist die Verbindung von Ambition und Menschlichkeit. Hohe Ziele und Wertschätzung sind kein Widerspruch. Im Gegenteil: Menschen können nachhaltig gute Leistung erbringen, wenn sie sich ernst genommen fühlen, Orientierung haben und Entwicklung nicht nur gefordert, sondern auch ermöglicht wird.

Für Schweizer KMU bedeutet das aus meiner Sicht: Erfolgreiche Führung muss nicht laut oder stark hierarchisch sein. Sie zeigt sich vielmehr in Klarheit, Verbindlichkeit und einem respektvollen Miteinander. Wenn Mitarbeitende wissen, was von ihnen erwartet wird, welchen Beitrag sie leisten und dass sie sich einbringen können, entsteht Vertrauen – und daraus die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und sich gemeinsam weiterzuentwickeln.

Genau darin sehe ich auch eine wichtige Parallele zum Spitzensport: Nachhaltige Leistung entsteht nicht allein durch individuelles Talent. Sie entsteht, wenn Menschen ein gemeinsames Ziel verfolgen, ihre Rolle kennen, einander vertrauen und auch unter Druck gut zusammenarbeiten.

Coaching und Führung haben vieles gemeinsam. Was macht für dich gute Führung aus und was brauchen Menschen, um sich weiterzuentwickeln?

Gute Führung schafft Orientierung, Beziehung und Verantwortung. Führungskräfte müssen Ziele und Prioritäten klären, Entscheidungen treffen und Rahmenbedingungen schaffen, in denen Mitarbeitende ihre Stärken einbringen und Verantwortung übernehmen können.

Teams kommen weiter, wenn jede Person ihren Platz im Gesamtgefüge kennt und versteht, weshalb ihre Arbeit wichtig ist. Je besser es gelingt, Mitarbeitende einzubeziehen, ihren Beitrag sichtbar zu machen und ihre Stärken gezielt zu nutzen, desto stärker werden Identifikation, Motivation und Verantwortungsbewusstsein. Das gilt für erfahrene Mitarbeitende ebenso wie für jüngere Generationen, für die Sinn, Entwicklung und die Möglichkeit zur Mitgestaltung besonders wichtig sind.

Coaching ergänzt diese Führungsaufgabe sehr gut. Professionelles Coaching bedeutet nicht, schnelle Ratschläge zu geben oder fertige Lösungen vorzugeben. Es schafft vielmehr einen geschützten Denk- und Reflexionsraum: durch gute Fragen, aufmerksames Zuhören und ehrliches Spiegeln. Menschen gewinnen dadurch Klarheit über ihre Situation und entwickeln eigene, tragfähige Lösungen. Ich verstehe Coaching deshalb auch als anspruchsvolles, partnerschaftliches Sparring – mit dem Ziel, persönliches und berufliches Potenzial wirksam zu entfalten. 

Meiner Erfahrung nach braucht Entwicklung vor allem drei Dinge:

  • Klarheit: Menschen müssen wissen, was von ihnen erwartet wird, welche Ziele gelten und welchen konkreten Beitrag sie zum Gesamtunternehmen leisten. Gerade das Bewusstsein für den eigenen Sinn und die Wirkung im grösseren System ist entscheidend für Motivation und Bindung.

  • Vertrauen und Lernbereitschaft: Mitarbeitende brauchen ein Umfeld, in dem sie Fragen stellen, Unsicherheit ansprechen und aus Fehlern lernen können. Im Spitzensport spricht man oft davon, schnell zu lernen und nach einem Fehler konsequent weiterzugehen. Entscheidend ist nicht, Fehler zu glorifizieren, sondern sie früh zu erkennen, offen anzusprechen und daraus bessere Entscheidungen abzuleiten.

  • Anspruch und Unterstützung: Fördern und fordern gehören zusammen. Herausfordernde Ziele, ehrliches Feedback und eine reflektierte Führungskraft helfen Menschen, über sich hinauszuwachsen. Entwicklung geschieht dann, wenn Leistung eingefordert wird, ohne die Person aus dem Blick zu verlieren.

Gerade im KMU-Kontext ist das entscheidend, weil Führung oft sehr nah am operativen Geschäft stattfindet. Umso wichtiger ist es, bewusst Zeit für Gespräche, Prioritäten, Rollenklärung und Entwicklung zu schaffen. Gute Führung ist kein Zusatz zum Tagesgeschäft – sie ist eine Voraussetzung dafür, dass das Tagesgeschäft auch langfristig funktioniert. Klare Strategien, nachvollziehbare Ziele und eine gelebte Kultur bilden dafür das Fundament.

KI und die digitale Transformation verändern unsere Arbeitswelt gerade sehr stark. Was beschäftigt dich dabei aktuell besonders und welche Chancen siehst du für Unternehmen und Mitarbeitende?

Mich beschäftigt vor allem die Frage, wie wir Digitalisierung und KI so einsetzen, dass sie Menschen und Organisationen wirklich stärken – und nicht einfach zusätzliche Komplexität erzeugen. Technologie ist nie nur ein IT-Thema. Sie verändert Prozesse, Rollen, Zusammenarbeit, Entscheidungswege und damit auch Führung.

Für Unternehmen liegen grosse Chancen darin, repetitive Aufgaben zu vereinfachen, Wissen besser verfügbar zu machen, Kundenbedürfnisse genauer zu verstehen und Mitarbeitende von administrativen Tätigkeiten zu entlasten. Gerade für KMU kann das Freiräume schaffen – für Kundennähe, Innovation, Qualität und die Arbeit an den wirklich wichtigen Themen.

Der entscheidende Punkt ist jedoch der Transfer in den Arbeitsalltag. Studien zur digitalen Transformation Schweizer KMU zeigen, dass die Einführung digitaler Tools häufig stärker im Fokus steht als die damit verbundenen Führungs- und Veränderungsaufgaben. Digitale Transformation ist aber auch eine Managementaufgabe: Sie verlangt klare Strategien, Kompetenzentwicklung und eine aktive Gestaltung der Zusammenarbeit. Führungskräfte brauchen deshalb nicht nur technisches Grundverständnis, sondern auch die Fähigkeit, Orientierung zu geben, Veränderungen verständlich zu kommunizieren und Mitarbeitende in den Lernprozess einzubeziehen.

Ich plädiere für einen pragmatischen Schweizer Ansatz: Nicht jede neue Technologie muss sofort eingeführt werden. Entscheidend ist, ob sie ein echtes Problem löst, ob sie zur Organisation passt und ob die Menschen befähigt werden, sie sinnvoll, kritisch und verantwortungsvoll zu nutzen.

Was möchtest du den Teilnehmenden und Führungskräften am KBZ für ihre berufliche und persönliche Entwicklung mit auf den Weg geben?

Bleibt neugierig – auf Entwicklungen in eurer Branche, auf neue Technologien, auf andere Perspektiven und auf die eigene Entwicklung. Fachkompetenz und Fachwissen bleiben enorm wichtig. In einer dynamischen Arbeitswelt wird jedoch zunehmend entscheidend, wie gut wir lernen, zusammenarbeiten, kommunizieren und mit Veränderung umgehen können.

Weiterbildung sollte deshalb nicht als einmaliger Abschluss, als Belohnung oder als «Zückerli» verstanden werden. Sie ist eine strategische Investition in die Zukunftsfähigkeit von Menschen und Unternehmen. Sie schafft neue Perspektiven, erweitert den Horizont, fördert den Austausch und ermöglicht es, neue Kompetenzen gezielt aufzubauen und im Berufsalltag anzuwenden.

Unternehmen, die Weiterbildung als integralen Bestandteil ihrer Kultur verstehen, stärken nicht nur ihre fachliche Kompetenz. Sie erhöhen auch ihre Innovationsfähigkeit, ihre Attraktivität als Arbeitgeber und ihre Fähigkeit, gute Mitarbeitende zu gewinnen, zu entwickeln und langfristig zu halten. Mitarbeitende möchten heute nicht nur eine Aufgabe erfüllen; sie möchten sich einbringen, Verantwortung übernehmen und sich weiterentwickeln können.

Ich möchte Teilnehmende deshalb ermutigen, Weiterbildung als laufenden Prozess zu verstehen: als bewusste Investition in die eigene Handlungsfähigkeit, die persönliche Entwicklung und die Zusammenarbeit im Team. Wer sich regelmässig Zeit nimmt, das eigene Führungsverhalten, die Teamdynamik oder die Organisation der Arbeit zu reflektieren, gewinnt Klarheit und kann Veränderungen aktiv gestalten.

Für Führungskräfte bedeutet das auch, Entwicklung nicht zu delegieren. Sie müssen nicht auf jede Frage sofort eine perfekte Antwort haben. Gute Führung zeigt sich vielmehr darin, die richtigen Fragen zu stellen, zuzuhören, Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen, Verantwortung zu teilen und gleichzeitig Orientierung zu geben. So entsteht ein Umfeld, in dem Menschen wachsen, ihr Potenzial einbringen und Unternehmen langfristig erfolgreich bleiben.